Quelle: Wikipedia, Public Domain

Am vergangenen Wochenende sollten die MMA-Fans aus dem Land der Tacos und Azteken von Onkel Dana einen echten Leckerbissen serviert bekommen. Eine mehr als solide Fight Card, garniert mit mexikanischer Beteiligung am Main Event. Yair Rodriguez hatte zugegebenermaßen eine schwere Bürde zu schultern. Die Hoffnung seiner sportbegeisterten Landsleute wog freilich schwer. Entsprechend entschlossen war „El Pantera“, den auf ihm lastenden Hoffnungen gerecht zu werden und seine Fans vor heimischer Kulisse nicht zu enttäuschen.

Der spektakuläre Knockout of the year gegen den „korean Zombie“ Ende letzten Jahres war schließlich noch immer allgegenwärtig. Der auf Position 7 der Federgewichtsrangliste gerankte Rodriguez sollte es mit seinem direkten „Nachbarn“ im Ranking zu tun bekommen. Jeremy Stephens, der in den Rankings die Position direkt hinter seinem Widersacher einnahm und mit zuletzt 2 Niederlagen nun ein wenig unter Druck stand, wollte mit einem Sieg gegen den Lokalmatadoren zurück in die Erfolgsspur finden. Wochenlang hatte sich Stephens in Mexiko vorbereitet, um sich an die Höhenluft zu gewöhnen und nichts dem Zufall zu überlassen.

 

Versalzene Suppe

Das Mahl war also bereitet und durchaus unterhaltsame Vorkämpfe ließen die Erwartungshaltung für den Hauptkampf entsprechend steigen. Leider jedoch nahm das langersehnte Gefecht nach bereits 15 Sekunden (in Worten „fünfzehn“) ein jähes Ende. Bedauerlicher Weise jedoch nicht auf so spektakuläre Art, wie es zuletzt „Street Jesus“ seinen Jüngern kredenzte, als er Ben Askren nach etwa 5 Sekunden in ein Paralleluniversum entsandte. Nicht wesentlich länger, dafür aber umso unbefriedigender endete der Main Event in der Mexiko City Arena. 15 Sekunden nach dem Signal zum Kampfauftakt erwischte Rodriguez sein Gegenüber versehentlich mit einem Finger im Auge. Stephens wandte sich umgehend ab und signalisierte, am bzw. im Auge getroffen worden zu sein, woraufhin Referee Herb Dean den Kampf sofort unterbrach.

Als Stephens dem Ref zu verstehen gab, dass es so schnell wohl nicht weitergehen könne („He got me good!“), versuchte Ricngrichter-Veteran Herb Dean zu retten, was noch zu retten war. Er gab „Lil Heathen“ die obligatorischen 5 Minuten, um sich ein wenig zu erholen und wieder in einen kampffähigen Zustand zu kommen. Als diese Pause nun zu Ende war und Dean gemeinsam mit dem Ringarzt Stephens` Verletzung in „Augenschein“ (was für ein Wortspiel) nehmen wollte, dieser sein Auge jedoch nach wie vor nicht öffnen konnte, war das Unvermeidliche nicht mehr zu verhindern. In Absprache mit dem Arzt blieb Herb Dean nichts Anderes übrig, als den Kampf für beendet zu erklären und beide Kontrahenten mit einem „no contest“ nach Hause zu schicken.

Schande für den Sport

Kaum hatte der Referee die Entscheidung bekannt gegeben, zeigten sich die Fans vor Ort von ihrer hässlichen Seite und machten ihrer Enttäuschung mit Mitteln Luft, die weder Sportfans, noch erwachsenen Menschen würdig waren. Becher, Eiswürfel, Flaschen und nahezu alles andere, was gerade greifbar erschien, flog in hohem Bogen Richtung Oktagon. Dieser „Regen“ verlagerte sich schnell auf den Gang vom Käfig in die Katakombden, als Jeremy Stephens die Halle verließ, was nunmehr nur noch mit einer ganzen Armada Security-Mitarbeiter möglich war, die ihn schützend in den Backstage-Bereich eskortierten. Michael Bispings Kommentatoren-Kollege für diese Nacht, Brendan Fitzgerald sah sich ob dieser geballten Entladung des Unmuts der „Fans“ gezwungen, sich unterm Kommentatorenpult zu verstecken.

 

Fazit

Yair Rodriguez hätte an diesem Abend durchaus ein wenig deeskalierend auf „seine“ Gefolgschaft einwirken können, befeuerte jedoch mit seinem Verhalten und seinen Äußerungen diesen Gewaltausbruch sogar noch. Jeremy Stephens trifft an dem ganzen Dilemma freilich die geringste Schuld. Wer ihm ernsthaft unterstellt, seine Verletzung simuliert zu haben, hat offenbar noch nicht viel von ihm gesehen.

Ich für meinen Teil habe nicht eine Sekunde daran gezweifelt, dass „Lil Heathen“ sofort weitergekämpft hätte, wenn es ihm sein Auge nur irgendwie erlaubt hätte. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass ein sehenswerter Kampfsportabend nicht durch den unglücklichen Kampfausgang des Main Events einen faden Beigeschmack behält, sondern durch das inakzeptable Verhalten der sogenannten „Fans“, die sich benommen haben, wie 12-jährige, pubertierende Rotzlöffel aus einem Heim für schwer Erziehbare.

Für alle echten MMA-Fans, aber natürlich auch für die beiden Protagonisten des Hauptkampfes bleibt zu hoffen, dass es bald zu einer Neuauflage  kommen wird, die dann hoffentlich durch die sportliche Leistung Schlagzeilen macht und nicht durch einen randalierenden Mob.

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