Pride FC – Reise in die Vergangenheit

by Remo ~ März 26th, 2018

Pride FC – Reise in die Vergangenheit

Jeder alteingesessene MMA-Fan erinnert sich gern an eine Zeit, in der der Branchenprimus UFC in der Welt der MMA-Organisationen keineswegs so konkurrenzlos war, wie dieser Tage. Auch wenn sich heute, im Jahr 2018, mit Bellator in Verbindung mit seinem Impressario Scott Coker ein Unternehmen etabliert hat, welches das nötige Rüstzeug mitbringt, die Monopolstellung der Organisation aus Las Vegas langfristig auf den Prüfstein zu stellen, so wird die internationale MMA-Landschaft aktuell doch nach wie vor von Onkel Dana und seinen Mannen dominiert.

Bequem muss es sein in der Komfortblase der Herrschaften aus dem Spielerparadies. Insbesondere dann, wenn man etwas mehr als 20 Jahre zurückblickt. Was sich da im im Jahr 1997 im Land der aufgehenden Sonne entwickelte, war den späteren Eigentümern der UFC, den Fertitta-Brüdern ein derartiger Dorn im Auge, dass man das finanziell schwierige Fahrwasser, in welches die Organisation in Japan geraten war, als idealen Zeitpunkt ansah, sich eines gefährlichen Konkurrenten zu entledigen. Zeit für uns, zurückzuschauen…

Pride FC – mehr als Knalleffekte und Freakfights

In einer Zeit, in der der MMA-Sport so untrennbar mit dem Namen UFC verbunden war, wie nie zuvor, mauserte sich im fernen Japan eine andere MMA-Organisation zu dem bis heute ärgsten Verfolger des Marktführers aus Nordamerika. Auch wenn der Name Pride – FC häufig mit sogenannten Freakfights in Verbindung gebracht wird, tut man dem asiatischen Pendant zur UFC Unrecht, wenn man es darauf beschränkt.

Natürlich gab es sportlich eher zweifelhafte Ansetzungen. Wer beispielsweise über einen Eric Esch (besser bekannt als Butterbean) schmunzelt, der einem Zuluzinho in einem Pride-Ring gegenübersteht, der unter den fast 400 kg Kampfgewicht der beiden Kontrahenten ächzt; dem kann man kaum einen Vorwurf machen. Wer zudem den sportlichen Wert eines Kampfes zwischen dem 2, 18 m großen Giant Silva gegen einen 1, 75 m kleinen und etwa 100 kg (in Worten Hundert) leichteren Ikuhisa Minowa anzweifelt; der meldet durchaus berechtigte Bedenken an, was die Seriösität einer Veranstaltung anbetrifft.

Legendenbildung in Japan

Im Gegensatz zu diesen Jahrmarktattraktionen ohne sportliche Bedeutung standen jedoch auch allerlei Kämpfe auf einem Niveau, welches den UFC-Verantwortlichen zeitweise den Angstschweiß auf die Stirn trieb. Insbesondere die Schwergewichtsdivision konnte qualitativ zeitweise die der UFC sogar übertrumpfen. In einer Zeit, in der sich in Nordamerika Tim Sylvia, Frank Mir, Ricco Rodriguez und Andrei Arlovski um die Krone der Heavyweight-Division balgten, standen sich etwa 9500 km entfernt damalige und spätere Legenden gegenüber, die in spektakulären Fights Dana White und Konsorten regelrecht alt aussehen ließen.

Wer Anfang bis Mitte der 2000er- Jahre die besten Schwergewichtler der MMA-Welt erleben wollte, kam um Pride FC einfach nicht herum. Insbesondere der Dreikampf an der Spitze des Schwergewichts zwischen Mirko „Crocop“ Filipovic, Fedor Emelianenko und Antonio Rodrigo „Minotauro“ Nogueira bringt altgediente MMA-Fans noch heute dazu, begeistert mit der Zunge zu schnalzen. Hinzu gesellten sich so illustre Namen wie Fabricio Werdum, Mark Coleman, Josh Barrnett, Mark Hunt, Don Frye, Igor Vovchanchyn, Kevin Randleman, Ken Shamrock, Sergei Kharitonov und einige andere mehr.

Schaut man sich in den Gewichtsklassen darunter um, trifft man ebenfalls auf Legenden wie Wanderlei Silva, Quinton „Rampage“ Jackson, Dan Henderson, Mauricio „Shogun“ Rua, Anderson Silva, Alistair Overeem (damals noch nicht HW), Ricardo Arona und andere. Ein großer Teil des Whoiswho im MMA tummelte sich seinerzeit also nicht im UFC-Oktagon, sondern im Pride-Ring. Hinzu kamen die seinerzeit spektakulären Einmärsche der Gladiatoren, die mit allerlei Feuerwerk effektvoll in Szene gesetzt worden sind. Auch das legendäre Kommentatoren-Duo Bas Rutten und Mauro Ranallo stand dem späteren Dreamteam der UFC Joe Rogan und Mike Goldberg in kaum etwas nach.

Man kann also mit Fug und Recht konstatieren, dass Pride FC streckenweise einfach das bessere Gesamtpaket hatte als die UFC. Leider geriet die Organisation durch Probleme in Verbindung mit einem neuen TV-Deal in Schieflage, was in Las Vegas aufhorchen ließ. Schnell entschloss man sich im Hause Fertitta, dass die Gelegenheit, den ungeliebten Konkurrenten loszuwerden, niemals so günstig war, wie zu diesem Zeitpunkt und womöglich auch nie wieder so günstig werden würde. Also griffen die Casino-Brüder in die Portokasse und kauften den Mitbewerber aus Übersee kurzerhand auf. Viele der ehemaligen Pride-Leistungsträger wurden übernommen und konnten ihren Erfolg im UFC-Oktagon fortsetzen oder sogar ausbauen.

Bellator das neue Pride FC?

Rückblickend muss man sagen, dass die Konkurrenzsituation der damaligen Zeit der heutigen MMA-Landschaft guttun und sie beleben würde. Bedauerlicherweise ist weit und breit keine Organisation in Sicht, welche in die Fußstapfen treten könnten, die Pride-FC eindrucksvoll hinterlassen hat. Bellator kommt dieser Rolle zwar derzeit am nächsten, macht sich leider jedoch immer wieder mit höchst zweifelhaften Kämpfen wie Kimbo Slice vs Dada 5000 die Reputation kaputt und steht sich damit irgendwie selbst im Weg. Das Ausnutzen der Unzufriedenheit der UFC-Kämpfer mit dem Reebok-Deal und den damit verbundenen geringen Einnahmen ist der Hebel, an dem Scott Coker und Co ansetzen müssen, um langfristig Qualität zu verpflichten und konkurrenzfähig zu bleiben.

Mit Kämpfern wie Gegard Moussai, Matt Mitrione, Lorenz Larkin, Phil Davis, Benson Henderson, Ryan Bader, Rory MacDonald und Frank Mir hat man mittlerweile nachhaltige Qualität verpflichtet und befindet sich zusätzlich mit „Eigengewächsen“ wie Michael Chandler, Michael „Venom“ Page, Douglas Lima und anderen auf einem guten Weg. Es bleibt somit zu hoffen, dass Scott Coker und die restliche Bellator-Führungsriege diesen konsequent weitergehen und sich eventueller Aufkaufversuche durch die UFC erwehren können.

Dann, ja dann könnte tatsächlich eine Konkurrenzsituation entstehen, die Pride FC einst herzustellen vermochte und vielleicht wird es dann nicht mehr nötig sein, sehnsuchtsvoll an die gute alte Pride-Zeit zurückzudenken, weil Bellator die gigantischen Fußstapfen dann vielleicht doch ausfüllen konnte.

 

 

 

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