UFC 222 Cyborg vs Kunitskaya

by Remo ~ März 4th, 2018

UFC 222 Cyborg vs Kunitskaya

Die T-Mobile Arena in Paradise/Nevada war vergangene Nacht weltweiter Hotspot der MMA-Community. Viele spannende und spektakuläre Kämpfe wurden ebenso den Fans in der Halle, wie auch den Zuschauern an den Bildschirmen geboten. Krachende Knockouts und unerwartete Wendungen sorgten für eine rundum gelungene Veranstaltung. Schauen wir uns die Fights im Einzelnen mal ein wenig genauer an…

Cat Zingano vs Ketlen Vieira

Eröffnet wurde die Maincard durch ein Duell im Bantamgewicht der Damen. Willst du was gelten, mach dich selten. So würden böse Zungen die letzten Jahre der MMA-Veteranin Cat Zingano bezeichnen. Mit lediglich 4 Auftritten in den letzten (fast) 5 Jahren ist ihre Bilanz in diesem Zeitraum tatsächlich recht überschaubar. Dass sie vor der Begegnung mit Vieira mit zuletzt zwei Niederlagen gegen Ronda Rousey und Julianna Pena allerdings schon mit dem Rücken zur Wand stand, wäre wohl dennoch ein wenig übetrieben formuliert.

Dennoch musste natürlich ein Sieg her, um auch weiterhin im Konzert der Großen mitmischen zu können. Ihre Gegnerin, die in 9 Kämpfen noch ungeschlagene, 26-jährige Brasilianerin Ketlen Vieira allerdings war für dieses Unterfangen freilich eine kühne Wahl. Besonders ihr Sieg gegen die erfahrene Sarah McMann im letzten Herbst ließ aufhorchen. Erfahrung gegen ambitionierte Senkrechtstarterin. Wer würde die Oberhand behalten?

Der Kampf

Ein seltener Gast im UFC-Oktagon, Cat Zingano, musste sich einer entschlossenen Ketlen Vieira erwehren, die in einem Duell, welches sich zunächst im Stand zutrug, ein wenig genauer und effektiver wirkte und am Ende sogar noch mit einem Takedown punkten konnte. Der zweite Durchgang spielte sich fast ausschließlich am Boden ab, wobei sich Vieira schnell die Top-Position sichern konnte, aus der heraus sie Zingano kontrollieren und die Runde mit dieser Top-Control souverän gewinnen konnte. Dieses Bild setzte sich auch in der dritten und letzten Runde fort. Cat Zingano hatte ihrer Gegnerin am Boden nichts entgegenzusetzen und gab folgerichtig auch diesen Durchgang ab. So zumindest der Eindruck eines neutralen Beobachters.

Fazit:

8:15 min in der Top-Position stehen 0:00 min gegenüber. Diese Statistik spiegelt den Kampf sehr gut wieder und zeigt Vieiras Dominanz am Boden und zugleich Zinganos Hilflosigkeit. Warum einer der Punktrichter letztlich sogar Zingano vorn hatte, ist für mich nicht nachvollziehbar und wird wohl sein Geheimnis bleiben, was auch ein scharfsinniger RanFighting-Kommentator richtig bemerkte und zu Recht kritisierte. So gewinnt Ketlen Veira den Kampf per Split Decision und bringt einer fahrig, unkonzentriert und unmotiviert wirkenden Cat Zingano die dritte Niederlage in Folge bei, die dadurch nun langsam den Anschluss zu verlieren droht.

Ketlen Vieira def. Cat Zingano via SD

 

Stefan Struve vs Andrei Arlovski

Ein Kampf im Heavyweight setzte die Veranstaltung fort, als sich der in die Jahre gekommene, ehemalige UFC-Champion Andrei Arlovski die Ehre gab und auf den 2,13 m großen, niederländischen „Skyscraper“ Stefan Struve traf. Beide Kontrahenten haben in der jüngeren Vergangenheit eher durchwachsene Leistungen im Oktagon abgeliefert.

Während Struve nur 3 seiner letzten 7 Kämpfe gewinnen konnte, durfte Arlovski gar nur ein einziges Mal in seinen letzten 6 Gefechten die Hand zum Sieg nach oben strecken. Besonders für den Ex-Champ konnte dieser Kampf wegweisend für seine weitere Karriere sein. Ob er sich mit seinen 39 Jahren bei einer erneuten Niederlage noch einmal würde motivieren können oder gar die Handschuhe an den Nagel hängt, stand in den Sternen.

Der Kampf

In der ersten Runde, in der im Standup von beiden Kontrahenten kaum Zählbares zu verzeichnen war, waren mehrere Takedowns Arlovksis gegen den niederländischen „Skyscraper“ die einzigen Glanzlichter, die Arlovski letztlich auch den Durchgang sicherten. So ereignisarm wie diese erste Runde blieb dann auch der restliche Kampf. Über viel mehr als uneffektives, unmotiviertes Striking ging das Gefecht zu keinem Zeitpunkt hinaus.

Auch wenn Arlovski anfangs einen erneuten Takedown landen konnte und sich Struve sogar an einer Submission versuchte, blieb das Duell überaus unansehnlich für die Zuschauer. Viel Geclinche am Zaun und eine Verwarnung für Struve für einen Eyepoke. Mehr gab dieser zweite Durchgang leider nicht her. Alle, die während der ebenso dürftigen dritten Runde bereits im Halbschlaf in den Sitzen hingen, wurden durch eine Unterbrechung des Referees jäh aus ihren Träumen von einem spannenden Kampf gerissen.

Als dieses Mal nämlich Struve einen Finger ins Auge bekam, gab dieser an, nichts sehen zu können, bevor er den Kampf letztlich aber doch zu Ende brachte. Nachdem das Signal nach der dritten und letzten Runde Kämpfer wie Zuschauer endlich erlöste, wurde Andrei Arlovski zum Sieger nach Punkten erklärt, womit er sich nach 5 Niederlagen den zweiten Sieg sichert und damit wohl bis auf weiteres seinen UFC-Vertrag rettet.

Fazit:

Arlovksi war der etwas weniger Schwache in einem Kampf zweier bekannter Namen, die sich nicht mit Ruhm bekleckern.

Andrei Arlovski def Stefan Struve via UD

 

Sean O`Malley vs Andre Soukhamthath

Dieser Kampf zweier eher unbekannter Fighter fand im Bantamgewicht statt. Der in 9 Kämpfen noch ungeschlagene, 23-jährige O`Malley wollte die Gelegenheit auf der Maincard nutzen, um sich mit einem weiteren und vor allem überzeugenden Sieg gegen seinen 29 Jahre alten, erfahreneren Gegner einem breiten Publikum von seiner besten Seite zu zeigen.

Der Kampf

Schon in der ersten Runde zeigte O`Malley, wie sich der Hype um ihn begründet. Mit exzellentem Striking konnte er seinen Gegner Andre Soukhamthath bereits in diesem ersten Durchgang schwer anklingeln, der letztlich nur noch vom Signal zum Ende der Runde gerettet wurde.

Die 2. Runde verlief zunächst ähnlich wie die erste. Schnelles, präzises und variables Striking von O`Malley machte es seinem Gegner unmöglich, in den Kampf zu finden. Dieses Mal allerdings ging es für beide Kontrahenten auf den Boden, wobei der 23jährige „Sugar“ O`Malley in der Rückenlage landete. Doch auch hier blieb er brandgefährlich und machte Soukhamthath das Leben mit einer überaus aktiven Guard und mehreren Submissionversuchen schwer.

Auf einen Triangle folgte ein Armbarversuch und in dem darauffolgenden Scramble eine Guillotine und schließlich sogar ein Rear Naked Choke. Keine dieser Bemühungen war jedoch von Erfolg gekrönt und so ging es sogar in eine dritte Runde. In diesem letzten Durchgang sah man wieder einen überlegenen O`Malley, der seinem Gegner schwer zu schaffen machte. Ein Headkickversuch allerdings stellte das ganze Geschehen urplötzlich auf den Kopf und es kam fast zu einem Kampfabbruch zu Ungunsten O`Malleys. Dieser traf nämlich mit seinem Fuß bzw. seinem Schienbein den Ellbogen seines Gegners, was offenbar eine schwere Verletzung verursachte.

Ein folgenschwerer Kick…

Auf einem Bein hinkend musste sich O`Malley nun einem heranstürmenden Soukhathmath erwehren, der die Gunst der Stunde nun natürlich nutzen wollte, sich mit dem humpelnden und offensichtlich verletzten O`Malley aus unerfindlichen Gründen auf den Boden begab, um den Kampf dort zu beenden. O`Malley verzerrte mehrfach das Gesicht vor Schmerz und jeder hatte spätestens jetzt mitbekommen, dass er sich eine schwere Verletzung zugezogen haben musste. O`Malley jedoch bewies Kämpferherz und verneinte die Frage des Referees, ob er aufgeben wolle, während sich sein Gegner auf ihm abmühte, den Kampf zu beenden.

Soukhamthath sah offenbar keinen Grund, das Gefecht in den Stand zu verlagern und verpasste so die Chance, von der Verletzung seines Gegners zu profitieren, der sich quasi mit einem Bein über die Zeit retten konnte und aufgrund der Dominanz in den ersten beiden Runden die Punkteentscheidung zugesprochen bekam. Erst nach dem Kampfende wurde das ganze Ausmaß der Verletzung sichtbar, als O`Malley minutenlang vor Schmerzen schrie und noch am Boden behandelt wurde, beim Interview mit dem neben ihm knienden Joe Rogan allerdings dennoch erleichtert wirkte und die Hände in die Luft streckte.

Fazit:

Sean O`Malley is no joke! Der 23 Jahre junge Kämpfer aus Montana konnte überzeugen und bestach durch effektives, variables und äußerst präzises und schnelles Striking. Spinning Backfists, Spinning Heelkicks und allerlei andere Techniken zeugen von einem großen Repertoire an Möglichkeiten im Standup. Auch aus der Rückenlage konnte O´Malley mit aktivem Guard-Game und mehreren Submission-Versuchen glänzen. Der Junge macht Spaß und es bleibt zu hoffen, dass er seine Verletzung schnell auskuriert haben wird und sie ihn auch künftig nicht in seinen Fähigkeiten beeinflusst. Denn dann wird man noch einiges von ihm hören.

Sean O´Malley def. Andre Soukhmathath via UD

 

Frankie Edgar vs Brian Ortega

Bei diesem Duell im Federgewicht konnte schon im Vorfeld jeder MMA-Fan nur begeistert mit der Zunge schnalzen. Das Gefecht des ehemaligen Champions im Leichtgewicht und an Nummer 2 gerankten Frankie Edgar (BJJ Blackbelt unter Ricardo Almeida) mit einem der vielversprechendsten Talente der letzten Jahre und Submission-Specialist Brian Ortega (BJJ Blackbelt unter Rener Gracie), der zuletzt mit einem Sieg gegen Cub Swanson für Furore sorgte, hielt ohne jeden Zweifel, was es versprach. Ein hochklassiges Duell, welches sowohl von der Papierform als auch vom tatsächlichen Kampfverlauf her ohne Weiteres ebenfalls der Headliner der Veranstaltung hätte sein können.

Der Kampf

Ortega, der sich mit der MMA-Legende Frankie Edgar seiner bisher schwersten Prüfung gegenüber sah, startete sehr geduldig und entspannt in den Kampf. Und diese 1. Runde war freilich keine leichte für den Senkrechtstarter aus San Pedro/Kalifornien. Die beiden Weltklasse-Grappler entschlossen sich, den Kampf im Stand zu bestreiten und Frankie Edgar war hier der präzisere, schnellere Mann. Immer wieder schlugen gute Treffer am Kopf des 27-jährigen Ortega ein. Es schien, als hätte Edgar schon früh seinen Rythmus gefunden.

Gute Hände, gute Beinarbeit, gutes Distanzgefühl standen auf der Guthabenseite Edgars. Ortega jedoch blieb von diesem Kampfverlauf weitestgehend unbeeindruckt und lauerte weiterhin konzentriert auf seine Chance. Diese Geduld zahlte sich aus, denn während sich Edgar ein weiteres Mal in Ortegas Reichweite begab, um erneute Treffer zu landen, konnte der ihn mit einem schweren Ellbogen abfangen. Edgar, für den bisher alles nach Plan zu laufen schien, war von diesem Treffer schwer angeschlagen und taumelte unkoordiniert durchs Oktagon.

Ortega hatte nun Lunte gerochen, setzte konsequent nach und während sich Edgar an ihm festhielt, landete er einen krachenden Uppercut, der an die Szene zwischen Francis N`Ngannou und Alistair Overeem erinnerte. Edgar ging wie vom Blitz getroffen zu Boden und nach kurzem Nachsetzen ging der Referee dazwischen, um den Kampf zu beenden. Die Legende Frankie Edgar hatte seine erste vorzeitige Niederlage hinnehmen müssen, Brian Ortega bleibt auch in seinem 14. Kampf unbesiegt und katapultiert sich mit diesem Erfolg in die Top-Contender-Position für den Federgewichtstitel.

Fazit:

Champion Max Holloway muss sich warm anziehen!

Brian Ortega def. Frankie Edgar via KO 1. Runde

 

Main Event

Titelkampf im Featherweight der Damen

Cris Cyborg vs Yana Kunitskaya

Der Hauptkampf des Abends und damit das vermeintliche Highlight der Veranstaltung lag in der Hand zweier Damen. Zum einen war da die ehemalige Invicta-Bantamweight-Titelträgerin, die 28jährige Russin Yana Kunitskaya und zum anderen die Titelverteidigerin im Featherweight und unangefochtene Königin des Frauen-MMA, Cris Cyborg. Auf dem Papier waren die Rollen zunächst klar verteilt. Kaum jemand zweifelte daran, dass die „baddest woman on the planet“ ihren Titel an diesem Abend zum zweiten Mal verteidigen würde. Ihre bedauernswerte Gegnerin war nur ein weiteres Hindernis auf dem Weg zum Legendenstatus, welches es aus dem Weg zu räumen galt. Kunitskaya jedoch sah sich keineswegs in der Rolle des Opferlamms, sondern verstand sich eher als Partycrasher mit ambitionierten Zielen. Doch was wurde daraus?

Der Kampf

Mit großer Spannung wurde dieses Duell der beiden ehemaligen Invicta-Champions erwartet. Yana Kunitskaya verkündete vollmundig, sich mit Greg Jackson und Mike Winkeljohn sehr gewissenhaft vorbereitet zu haben. Angeblich habe man aus der Niederlage Holly Holms, die in der Vorbereitung auch als Kunitskayas Trainingspartnerin fungierte, einige Lehren gezogen und bei Champion Cyborg Schwächen ausmachen können, wodurch man sich einen bestimmten Gameplan zurechtgelegt hatte.

Doch schon Mike Tyson konstatierte einst: „They all have a plan…until they get punched in the face.“

Das hätte auch in dieser ersten und letztlich einzigen Runde das Credo sein können. Die Titelverteidigerin kam bereits in der Anfangsphase mit einem guten Treffer durch, welcher Kunitskaya sichtlich durchschüttelte. Die konnte sich jedoch durch ein wenig Geclinche wieder erholen und der Kampf ging sogar kurzzeitig zu Boden. Als sich beide Kontrahentinnen jedoch schnell auf den Beinen wiederfanden, trat der vielgepriesene Plan des Jackson/Wink-Teams deutlich zu Tage.

Cyborg nicht zu stoppen…

Die russische Herausforderin drängte Cris Cyborg an den Käfig und versuchte erneut, mit viel Geclinche und dem einen oder anderen Takedown-Versuch, Cyborgs zerstörerisches Standup bereits im Keim zu ersticken und sie damit ihrer stärksten Waffe zu berauben. Als diese sich allerdings befreien konnte, zeigte sie erneut, weshalb die Russin ein reines Standup-Duell scheute. Immer wieder kam sie mit schweren Treffern durch und man konnte Kunitskaya die Angst vor weiteren Schlägen förmlich ansehen.  Als diese sich durch die Vielzahl der harten und präzisen Treffer nicht mehr auf den Beinen halten konnte und Cyborg mit schwerem und unbarmherzigem Groundandpound das Ende suchte, hatte der Referee genug gesehen und brach den Kampf nach 3:25 min in der ersten Runde ab.

Fazit:

Cris Cyborg ist ihrem Ruf als derzeit beste MMA-Kämpferin der Welt gerecht geworden und hat ihren Federgewichtstitel in eindrucksvoller Manier zum zweiten Mal verteidigen können. Yana Kunitskay hat sich ins Haifischbecken UFC getraut und war dem oberen Ende der Nahrungskette, Cris Cyborg, in keiner Hinsicht gewachsen. Nicht mental, nicht körperlich und auch nicht bezüglich der Fähigkeiten. Kunitskaya war völlig überfordert mit einer (wieder einmal) entschlossenen und erbarmungslosen Cris Cyborg.

Cris Cyborg def. Yana Kunitskaya via TKO 1. Runde

And stiiilllll…………………….

 

Fazit zu RanFighting:

Ausnahmsweise hab ich mir die Übertragung dieses Mal in deutscher Sprache angeschaut und muss zugeben, dass neben dem problemlosen Stream auch der RanFighting-Kommentator einen scharfsinnigen und durchaus kompetenten Eindruck machte. Wenngleich ich nach wie vor den amerikanischen Originalkommentar bevorzuge, bleibt dieser Umstand positiv hängen. 

Neben Ortega, Cyborg und O`Melley gehört damit auch RanFighting zu den Gewinnern des Abends.

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