UFC 208

by Remo ~ Februar 12th, 2017

UFC 208

New York, New York…

UFC 208. Innerhalb von nur 3 Monaten war New York nun also schon zum zweiten Mal Schauplatz für einen PPV-Event. Anders als bei UFC 205 im November im Madison Square Garden war die Fightcard allerdings dieses Mal etwas dürftig besetzt. Headliner der Veranstaltung war das Gefecht um den neu kreierten Federgewichtstitel der Damen zwischen Holly Holm und Germaine DeRandemie…

Dustin Poirier vs Jim Miller

Im Opener für die Maincard traf Dustin Poirier, der nach 4 Siegen infolge zuletzt schwer von Michael Johnson ausgeknockt wurde auf Jim Miller, der mit einer durchwachsenen Bilanz von 4-4 aus seinen letzten 8 Kämpfen angetreten war.

Poirier bestimmte zwar den Kampf und drängte Miller oftmals an den Rand des Oktagons, musste aber auch immer wieder harte Legkicks einstecken. Dustin Poirier setzte klar die besseren Treffer im Stand und verlagerte den Kampf so schnell es ging, auf den Boden, wenn Miller dann doch mal mit guten Treffern durchkam. Vom BJJ-Blackbelt Miller ging aber auch hier immer wieder Gefahr aus und Poirier musste sich dem einen oder anderen Submission-Versuch erwehren. In der dritten und letzten Runde war Dustins Bein von Millers schweren Legkicks bereits schwer gezeichnet und es bedurfte nur weniger weiterer Tritte Millers, um Poirier klar zum Straucheln zu bringen. In seiner Verzweiflung landete dieser einen Takedown und hielt Miller fast bis zum Ende der Runde am Boden. Die einzig vernünftige Entscheidung angesichts seines stark geschädigten Beines, was auch die Tatsache verdeutlicht, dass Poirier nach dem Kampf Hilfe beim Aufstehen benötigte und sogar noch während des Post-Fight Interviews gestützt werden musste.

Auch wenn ihm Millers harte Kicks einen Besuch im Krankenhaus eingebracht haben, war er unterm Strich dennoch der aktivere, landete mehr Treffer und bestimmte meist das Geschehen. Dies sahen auch die Punktrichter so und erklärten ihn zum Sieger durch Mehrheitsentscheidung. (28-28/30-27/29-28).

Glover Texeira vs Jared Cannonier

Im zweiten Kampf der Maincard begegneten sich Glover Texeira und Jared Cannonier.

Texeira wollte und musste sich für seine brutale KO-Niederlage gegen „Rumble“ Johnson im August rehabilitieren, um auch künftig im Gespräch für einen Titelkampf zu bleiben. Gegner war nun also der relativ unbekannte Texaner Jared Cannonier. Dieser entpuppte sich allerdings als vergleichsweise leichte Beute. Texeira landete Takedown über Takedown und beherrschte Cannonier am Boden quasi nach Belieben. Der routinierte Texeira war für den „Killa Gorilla“ mindestens eine Nummer zu groß, was sich deutlich in der Tatsache wiederspiegelte, dass Cannonier praktisch während des kompletten Kampfes im Survivalmodus gefangen war. Ein deutlicher Punktsieg für Glover Texeira war dann auch die logische Folge dieses einseitigen Gefechtes.

Fazit: Texeira ist erstmal wieder im Rennen und Cannonier wird die großen Fleischtöpfe nicht erreichen, wenn er nicht ausgiebig an seiner Takedowndefense arbeitet.

Jacare Souza vs Tim Boetsch

Diese Ansetzung sorgte bei vielen Beobachtern bereits im Vorfeld für Kopfschütteln. Jacare Souza wurde nach 9 Siegen aus seinen letzten 10 Kämpfen bereits als legitimer Herausforderer für Champion Michael Bisping angesehen. Stattdessen stellte man ihm den an Nr. 13 gerankten Tim Boetsch ins Oktagon, der 6 seiner 10 letzten Kämpfe verlor. Durchaus ein solider, erfahrener Mann, als Gegner für Souza zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht nachvollziehbar.

Die 10 Plätze Unterschied im Ranking sah man dann auch während des Kampfes. Hielt Boetsch im Stand zunächst noch recht gut mit, war sein Schicksal besiegelt, als Souza ihn gegen Mitte der ersten Runde zu Boden brachte. Als einer der besten Grappler im MMA dauerte es nicht lange, bis Jacare sich mustergültig die Full Mount erarbeitete, aus der er sogleich einen Kimura ansetzte. Boetsch blieb nichts anderes übrig, als abzuklopfen und somit hatte Jacare Souza diese nahezu nutzlose Ansetzung für sich enstcheiden können und wird nun hoffentlich in absehbarer Zeit gegen den Champion im Mittelgewicht im Oktagon stehen.

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Anderson Silva vs Derek Brunson

Auch wenn „The Spider“ mit mittlerweile 41 Jahren nicht mehr in der Form ist, die ihn einst zum besten MMA`ler aller Zeiten machte; Anderson Silva fasziniert nach wie vor die Massen. Nach ein paar sehr durchwachsenen Jahren wollte er im Kampf gegen Derek Brunson nochmal zeigen, dass er dennoch lange nicht zum alten Eisen gehört. Brunson hatte bis auf seinen Sieg gegen Uriah Hall im letzten Jahr nicht sehr viel zählbares vorweisen können und selbst das Momentum dieses Sieges löste sich durch seine TKO-Niederlage gegen Robert Whittaker praktisch wieder in Luft auf.

Im Kampf überzeugte Silva dann mit dem besseren, effektiverem Striking und glänzte obendrein mit hervorragender Takedowndefense. Immer wieder entschärfte er Brunsons Takedownversuche blitzschnell mit bilderbuchmäßigen Sprawls. Am Ende war Derek Brunson der 41-jährigen, alternden Legende trotz seines Altersvorteils nicht gewachsen und Silva entschied den Kampf absolut berechtigt nach Punkten für sich. MMA-inside gratuliert dem GOAT Anderson Silva zu seinem ersten Sieg seit fast 4,5 Jahren.

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Holly Holm vs Germaine DeRandemie

Kommen wir nun zum Main Event des Abends.

Seit Jahren wird Dana White von den Fans bekniet, eine Federgewichtsklasse der Damen zu kreieren, damit Cris Cyborg endlich auch in der UFC ihr volles Potential ausschöpfen kann. Jahre, in denen der Ruf nach eben dieser Federgewichtsdivision untrennbar mit dem Namen Cyborg verknüpft war. Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass der Kampf um den ersten Titel in dieser Gewichtsklasse, sollte Dana White sie jemals kreieren, ohne die Brasilianerin stattfinden würde. Doch genau das war passiert. Jahrelang weigerte sich der UFC-Präsident, diese Gewichtsklasse in der UFC zu gründen.

Stattdessen zwang man Cyborg, unmenschliche Weightcuts auf 140 lbs über sich ergehen zu lassen. Und nun, wo sich die „baddest woman on the planet“ von genau dieser Tortur erholt, hat man plötzlich keine Zeit mehr, auf die wohl beste Frau weltweit in dieser Gewichtsklasse einen Monat länger zu warten. Nun, wo Cyborg noch diese vie Wochen ausser Gefecht ist, kann es auf einmal nicht mehr schnell genug gehen mit der ersten Titelvergabe in der neuen Gewichtsklasse. Und so kam es, dass Holly Holm mit zuletzt zwei Niederlagen und Germaine DeRandemie mit einer Bilanz von 6-3 im MMA und ohne nenneswerten Sieg um den Titel kämpfen. Tja, die Politik in der UFC ist zuweilen schwer nachvollziehbar.

Aber kommen wir nun zum Kampf.

Von der Papierform ging Holly Holm als leichte Favoritin in den Kampf. Allerdings tat sie sich mit DeRandemie sichtlich schwer, die Holms teils ungestüme Attacken immer wieder gut abkonterte. Die Holländerin bestach durch gute Reflexe und setzte die besseren Treffer, wenngleich Holm wesentlich mehr „arbeitete“.

DeRandemie war auf Hollys Stil gut eingestellt und neutralisierte Holms Stärken durch Schnelligkeit und Effizienz. Als Ex Bantamgewichtschampion Holm realisierte, dass DeRandemie im Stand kaum beizukommen war, versuchte sie, die Niederländerin mit Clinch und Takedowns zu frustrieren. Der Kampf verlagerte sich nun hauptsächlich an den Käfigrand, wo Holly Holm erfolglos versuchte, ihre Gegnerin zu Boden zu bringen. Allerdings gelang es ihr zumindest, sich DeRandemies gefährliche Punches vom Hals zu halten, indem sie sie im Clinch ihrer Stärken beraubte. Dieser etwas unansehnliche Kampfstil, den das New Yorker Publikum umgehend mit Pfiffen quittierte, wurde allerdings von zwei noch unansehnlicheren Szenen begleitet. Gleich in zwei aufeinanderfolgenden Runden landete DeRandemie teils klare Wirkungstreffer deutlich NACH dem Rundengong. Beim ersten Mal kann man so etwas durchaus noch mit einer Verwarnung belegen, beim zweiten Mal allerdings wäre dann doch schon ein Punktabzug fällig. Referee Todd Anderson aber beliess es auch beim zweiten Mal bei einer Verwarnung für DeRandemie. Eine Entscheidung, die noch erheblichen Einfluss auf das Resultat haben sollte.

Nach 5 Runden stand die Frage, ob man die Effektivität oder den Output und die Kontrolle des Gegners schwerer gewichtet. Die drei Punktrichter werteten hier mit jeweils 48-47 zugunsten von DeRandemie, die sich damit als erste den nagelneuen Federgewichtsgürtel umschnallen darf. Wir erinnern uns; durch die zwei Fouls hätte der Referee durchaus einen Punktabzug veranlassen können, ja fast müssen. In diesem Fall nämlich hätte das Ergebnis dreimal 47-47 gelautet und der Kampf wäre als Unentschieden gewertet worden. So bleibt am Ende ein fader Beigeschmack. Holly Holm erleidet dadurch ihre dritte Niederlage infolge und dürfte für weitere Titelchancen nun vorerst nicht zur Debatte stehen. 

DeRandemie`s erste Titelverteidigung wird dann hoffentlich gegen die wieder genesene Cris Cyborg stattfinden. Der Frau, die viele untrennbar mit diesem Titel verbinden.

 

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