UFC 207

by Remo ~ Januar 3rd, 2017

UFC 207

She`s back!

Unter diesem Motto stand die letzte UFC-Veranstaltung des Jahres. Die MMA-Welt wartete gespannt auf das Comeback der einstigen Königin der Mixed Martial Arts. Ausser des Headliners der Veranstaltung hatte der Abend aber noch weitere spannende Kämpfe zu bieten…

T.J. Dillashaw vs John Lineker

Zunächst einmal wollen wir auf ein hochinteressantes Duell im Bantamgewicht eingehen. Ex- Champion T.J. Dillashaw traf auf den aufstrebenden John Lineker, der zuletzt mit einem knappen Sieg gegen John Dodson seinen 6. aufeinanderfolgenden Kampf gewinnen konnte. Dillashaws Ziel konnte nur sein, den harten Puncher Lineker aus dem Weg zu räumen, um sich für den Kampf um den Titel im Bantamgewicht in Position zu bringen, den er erst im Januar an Dominick Cruz abgeben musste.

Von Beginn an dominierte der ehemalige Titelträger das Gefecht und neutralisierte Linekers Stärke mit exzellentem Distanzgefühl, guter Beinarbeit und erstklassigen Reflexen. Relativ überraschend glänzte Dillashaw ausserdem mit vielen Takedowns und beherrschte Lineker auch am Boden. Die „Hands of Stone“ waren durch T.J. Dillashaws smarten Gameplan nur mehr stumpfe Waffen.

Dillashaw gewinnt nach einer beeindruckenden Leistung deutlich nach Punkten und man muss konstatieren, dass John Lineker hier klar an seine Grenzen kam. Mit großen Ambitionen und einer 6-0 Serie im Rücken angetreten, bleibt ihm nach diesem Kampf die ernüchternde Erkenntnis, dass es für die Top 3 und die damit verbundenen großen Fleischtöpfe einfach nicht reicht.

T.J. Dillashaw darf sich nach diesem überzeugenden Sieg nun auf die Chance freuen, den Titel im Bantamgewicht zurückzuerobern.

Dominick Cruz vs Cody Garbrandt

Aber auf wen würde Dillashaw dabei wohl treffen? Diese Frage sollte im Co-Main Event des Abends beantwortet werden. Champion Dominick Cruz verteidigte seinen Titel gegen Cody „no love“ Garbrandt.

Das Drehbuch war für Cruz bereits geschrieben. Noch schnell die lästige Pflichtaufgabe erfüllen und ein Häkchen hinter Cody Garbrandt machen und schon wäre der Weg frei für ein prestigeträchtiges Rematch mit Ex-Champion T.J. Dillashaw. Allerdings hatte die Sache einen Haken, denn Garbrandt gefiel das Drehbuch ganz und gar nicht. Er hatte andere Pläne und die sollten für eine der größten Überraschungen des Jahres 2016 sorgen. Als klarer Aussenseiter in den Kampf gegangen, bot Cody die beste Leistung seiner Karriere und kaufte Cruz von Anfang an den Schneid ab. Der seit fast 10 Jahren ungeschlagene Titelverteidiger sah sich einem frischen und hungrigen Herausforderer gegenüber, der nach vielem verbalen Geplänkel im Vorfeld hochmotiviert wirkte.

Garbrandt bestimmte den Kampf mit hervorragendem Headmovement, sehr guten Reflexen und vor allem einem gut ausgeklügelten Gameplan, dem er sehr diszipliniert von Anfang bis Ende folgte. Er „zog“ Cruz immer wieder in die Mitte des Oktagons, liess ihn agieren und landete so immer wieder gute Konter. Die Angriffe des Champions pendelte der Herausforderer in bester Roy Jones-Manier spektakulär mit dem Kopf aus, was dazu führte, dass Cruz fast ausschliesslich Luftlöcher schlug. Auch das eine oder andere „Spielchen“ liess sich Garbrandt nicht nehmen, um seine Überlegenheit an diesem Abend eindrucksvoll zu demonstrieren. Der für nahezu unschlagbar gehaltene Dominick Cruz wurde an diesem Abend regelrecht vorgeführt. Ironischerweise noch dazu vom Protege seines bisher einzigen Bezwingers Urijah Faber.

Cody Garbrandt bot eine Leistung, die ihm im Vorfeld nur die wenigsten zugetraut hätten und entthront Dominick Cruz, der an diesem Abend keine Antworten auf den Kampfstil des neuen Champions hatte.

Fast noch beeindruckender als seine sportliche Leistung war im Moment des Sieges seine menschliche. Noch im Oktagon schnallte der frischgebackene Weltmeister seinen Gürtel einem kleinen Jungen um, der es mit einem ungleich größeren Gegner zu tun hatte. Dem Krebs.

Sportlich stark, menschlich noch stärker.

MMA-Inside verneigt sich vor dem neuen Champion im Bantamgewicht, Cody „no love“ Garbandt.

AND NEWWWWW…

Amanda Nunes vs  Ronda Rousey

SHE`S BACK!

Dieses Credo zierte im Vorfeld der Veranstaltung sämtliche Plakate. Ronda Rousey war allgegenwärtig. Naja, zumindest auf eben diesen Werbebannern. Dana`s ehemalige Vorzeige-Mitarbeiterin bekam man nämlich so gut wie gar nicht zu Gesicht. Boykottierte sie doch im Vorfeld die komplette Promotionarbeit für die Veranstaltung, die so eng mit ihrem Namen verknüpft war.

Über ein Jahr war es nun her, dass sie ihren Titel überraschend gegen Holly Holm verlor. Ein Jahr voller Klagen und Selbstmitleid. Interviews in Talkshows, in denen sie von Suizidgedanken sprach. Nein, so geht ein wahrer Champion sicher nicht mit einer Niederlage um. Nun gelang es Dana White also doch, seinen einstigen Goldesel Ronda zu einem Comeback zu überreden. Gegnerin sollte niemand geringeres sein, als die aktuelle Titelträgerin Amanda Nunes. Viele Fragezeichen standen hinter dem Namen Ronda Rousey. Hatte sie die Niederlage endlich psychisch verarbeitet? Hatte sie die richtigen Schlüsse daraus gezogen und an ihren Schwächen gearbeitet? Wie würde sich die lange Pause auf ihre Leistung auswirken? Fragen über Fragen, auf die Amanda Nunes zwei Antworten hatte.

Ihre Rechte und ihre Linke.

Versuchte Ronda noch, die Titelverteidigerin mit bösen Blicken einzuschüchtern, wurde schnell klar, woher der Wind weht, als der Kampf begann. Nunes liess sich nicht davon einschüchtern, machte schnell deutlich, dass sich Rousey die falsche Gegnerin für ihr Comeback ausgesucht hatte und es nichts werden würde mit ihrer triumphalen Rückkehr. Als Amanda Nunes die ersten sauberen Treffer landete, konnte man Rousey die Angst förmlich ansehen. Plötzlich schwebte die schwere KO-Niederlage gegen  Holly Holm ein Jahr zuvor wie ein Damoklesschwert über ihrem Kopf. Sofort kamen die Zweifel zurück.

Die Unsicherheit und die Angst schnürten ihr schier die Kehle zu und prompt verfiel sie in den Panik-Modus. Nunes traf weiterhin nach Belieben mit schweren Händen. Immer und immer wieder. Nach einer finalen Kombination taumelte die einst gefürchtete Ronda Rousey nur noch orientierungslos umher. Unfähig, sich zu verteidigen, woraufhin der Referee Gnade walten liess, den Kampf beendete und sie vor einem weiteren schweren KO bewahrte. Nach 48 Sekunden!

Ein triumphales Comeback sollte es werden. Wie Phönix aus der Asche. Aber die Realität hat Ronda eingeholt. Sang und klanglos ist sie untergegangen. Von ihrer einstigen Aura der Unbesiegbarkeit ist nichts mehr übrig. Niemand lässt sich mehr von ihrem bösen Gesichtsausdruck beeindrucken. Die Blaupause für einen Sieg gegen Ronda Rousey hat Holly Holm angefertigt, daran hat Amanda Nunes nun angeknüpft.

So wortlos wie sie vorher der Presse gegenübertrat, verschwand sie nun aus dem Oktagon. Mit gesenktem Haupt. Wie ein geprügeltes Hündchen.

Ronda Rousey jagt niemandem mehr Angst ein. Der Lack ist ab.

 

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