UFC 205

by Remo ~ November 14th, 2016

UFC 205

ufc205poster

Am 12.11. war es nun also soweit. Zum ersten mal hielt die UFC Einzug im altehrwürdigen Madison Square Garden in New York, dem traditionsreichen Mekka des Boxens. Und Dana White hatte für sein erstes Gastspiel im MSG die wohl beste fightcard der UFC-Geschichte im Gepäck. Schaute man sich die Ansetzungen im Vorfeld an, von den Prelims bis zum Main Event, konnte man nur mit der Zunge schnalzen. Von der Papierform her war man also bestens gerüstet für das kritische New Yorker Publikum, doch hielten die  Kämpfe auch, was sie im Vorfeld versprachen?

Miesha Tate vs Raquel Pennington

miesha_tate

Nach dem verheerenden Titelverlust gegen Amanda Nunes wollte sich Miesha Tate rehabilitieren und sich  gegen Raquel Pennington für eine Chance auf ein Rematch gegen Nunes in Stellung bringen. Doch leider, leider, leider muss man sagen, dass Miesha Tate eine enttäuschende Leistung ablieferte. Pennington kaufte ihr von Anfang an den Schneid ab und es beschlich die Zuschauer schnell der Eindruck, dass für sie an diesem Abend nichts zu holen war. Miesha wirkte, wie schon gegen Nunes, ideenlos, fahrig und müde.

Diese schwache Vorstellung spiegelte sich dann auch folgerichtig auf den Punktezetteln wider. Alle Punktrichter sahen Raquel Pennington vorn und so verlor Miesha ihren zweiten Kampf in Folge sang- und klanglos. Spektakulärer als der eigentliche Kampf war das Interview mit Miesha noch im Oktagon. Viele Zuschauer und auch Joe Rogan überkam sichtlich eine gewisse Wehmut und Ungläubigkeit, als Tate ihren sofortigen Rücktritt bekannt gab. Eine lange Karriere mit vielen Höhen und Tiefen, die ihren Höhepunkt mit dem Titelgewinn gegen Holly Holm im März diesen Jahres fand, war nun also  vorbei. Vermutlich war ihr Rücktritt nach der zweiten Niederlage infolge der Erkenntnis geschuldet, in Zukunft wohl nicht mehr mit der jüngeren, frischeren und hungrigeren Generation mithalten zu können.

MMA-inside verneigt sich vor Miesha Tate und sagt danke für viele hochklassige Kämpfe. Eine der sympathischsten, bodenständigsten und respektvollsten Figuren im Ego-Haifischbecken UFC hängt nun also die Handschuhe an den Nagel. Mir bleibt an dieser Stelle nur noch, Miesha Tate alles Gute und viel Erfolg für ihre Karriere nach der Karriere zu wünschen. DANKE MIESHA!

Chris Weidman vs Yoel Romero

ufcweidman

Ein weiterer Kandidat, der sich für eine Chance empfehlen wollte, sich den Titel wiederzuholen, den er vor nicht allzu langer Zeit verloren hatte, war Chris Weidman. Der Plan war klar. Erst Yoel Romero aus dem Weg räumen, um dann gegen Champion Michael Bisping den Titel im Mittelgewicht erneut zu erkämpfen. Romero war im Vorfeld sicherlich als sehr guter Mann eingeschätzt worden, doch auf dem Level eines Chris Weidman sahen ihn nur die wenigsten. Der olympische Silbermedailllengewinner von Sydney 2000 erwies sich allerdings als hartnäckiger Kontrahent, der keineswegs vorhatte, Weidmans Plan zu folgen. Voller Selbstvertrauen durch einen wichtigen Sieg gegen Jacare Souza im Rücken machte der Kubaner Chris Weidman das Leben schwerer, als es viele vermutet hatten.

Weidman fand nie so recht in den Kampf und konnte seinen Stil an diesem Abend einfach nicht etablieren. Beide hatten ihre Szenen, aber einen deutlichen Vorteil konnte sich keiner der beiden Kontrahenten wirklich erarbeiten. Als Ex-Champion Weidman allerdings in der 3. Runde zu einem Takedown ansetzen wollte, erwischte ihn Romero mit einem perfekt getimten, brutalen Kniestoss, der Weidman wie vom Blitz getroffen zu Boden gingen liess und ihm eine klaffende Wunde am Kopf bescherte. An der Kampfunfähigkeit Weidmans bestand in diesem Moment kein Zweifel mehr und so brach der Referee umgehend den Kampf ab, um weiteren Schaden zu vermeiden.

Yoel Romero dürfte sich mit diesem etwas überraschenden Sieg nun in die Top-Contender-Position katapultiert haben und lieferte sich sogleich ein verbales Scharmützel mit dem ebenfalls anwesenden Champion Michael Bisping. Wie es für Weidman nach seiner nun zweiten Niederlage infolge weiter geht, wird die Zukunft zeigen und er sollte mit der Wahl seines nächsten Gegners nicht zu hoch pokern, um nicht womöglich ein wenig den Anschluss zu verlieren.

Joanna Jedrzejczyk vs Karolina Kowalkiewitz

ufc205joanna

Ein Kampf zweier Damen, deren Nachnamen den Kommentatoren wohl regelmäßig Therapien beim Logopäden einbringen, fochten nun also aus, wer sich als beste Kämpferin in der 115 lbs- Klasse bezeichnen darf. Jedrzejczyk (ja, ich musste ablesen) war als klare Favoritin in den Kampf gegangen und wollte jeden Zweifel im Keim ersticken, dass SIE diesen Titel zu Recht trägt. Jedoch tat sie sich mit ihrer Landsfrau Kowalkiewitz schwerer, als sie sich wohl selbst ausgemalt hatte. Karolina machte der Titelverteidigerin das Leben sehr schwer, war zäh und bewies gute Nehmerqualitäten. Obwohl sie die Königin im Strawweight im Laufe des Kampfes sogar mal ein wenig anklingeln konnte und ihre Nase etwas deformierte, setzte sich am Ende dann doch die Qualität durch und Joanna Jedrzejczyk (ohne abzulesen) verteidigte ihren Titel durch einen letztlich recht deutlichen Punktsieg.

Tyron Woodley vs Stephen „Wonderboy“ Thompson

ufc205wonderboy

Im Duell um die Krone im Weltergewicht standen sich Champion Tyron Woodley und Wonderboy Thompson gegenüber. Mit beeindruckenden Siegen gegen unter anderem Jake Ellenberger, Johny Hendricks und Rory MacDonald pflügte Wonderboy durchs Weltergewicht wie ein Derwisch und sorgte mit seinem spektakulären und unkonventionellen Kampfstil für staunende Gesichter. Doch wie effektiv würde dieser Stil gegen Champion Tyron Woodley sein, der auf aufsehenerregende Art und Weise Robbie Lawler im Sommer den Titel entriss?

Die Antwort war der wohl beste Kampf des gesamten Abends, der zu Recht den „Fight of the night“-Bonus erhielt. Obwohl Thompson den Kampf aus der Oktagonmitte bestimmte und Woodley immer wieder an den Käfigrand drängte, war ihm doch deutlich der Respekt vor der Punching Power des Champions anzumerken. Dass diese Vorsicht berechtigt war, zeigte sich immer mal wieder, wenn Woodley mit harten Schwingern durchkam. Wonderboy war zwischenzeitlich derartig angeschlagen, dass der Kampf kurz vorm Abbruch stand und als BJJ brown belt Woodley Thompson dann obendrein mit einem lupenreinen Guillotine erwischte, schien Wonderboys Tapout nur noch eine Frage der Zeit.

Wonderboy allerdings bewies erhebliche Nehmerqualitäten und überstand auch diese äusserst brenzlige Situation. In einem hart umkämpften Gefecht hatten beide Kontrahenten ihre Momente und letztlich mussten die Punktrichter über den Sieger entscheiden. Da zwei Punktrichter den Kampf 47-47 werteten und einer 48-47 für Woodley, wurde das Gefecht letztlich als Majority Draw, also mehrheitliches Unentschieden, gewertet. Ein Remis wird dem Kampfverlauf meiner Ansicht nach schon durchaus gerecht und man darf sich nun auf den Rückkampf freuen.

Eddie Alvarez vs Conor McGregor

conorufc205

Leichtgewichtschampion gegen Federgewichtschampion. Was wurde im Vorfeld nicht alles geredet über diesen historischen Versuch McGregors, als erster Kämpfer überhaupt zeitgleich Champion in zwei Gewichtsklassen zu werden?! Die üblichen verbalen Gewehrsalven des großmäuligen Iren im Vorfeld des Kampfes waren natürlich obligatorisch und nun durfte man gespannt sein, wie McGregor dem Leichtgewichtschampion Eddie Alvarez nach den Begegnungen mit seinem Kryptonit Nate Diaz im Oktagon gegenübertreten würde.

Alvarez brachte fraglos das nötige Rüstzeug mit, um McGregors Größenwahn ein jähes Ende zu bereiten. McGregor-Gegner wetzten schon die Messer und freuten sich bereits im Voraus über diese vermeintlich bevorstehende Entlarvung Conors Fähigkeiten. Doch Conor sollte alle Zweifler mit der vielleicht besten Leistung seiner Karriere Lügen strafen. McGregor wirkte von Beginn an unglaublich fokussiert und dominierte den etwas nervösen Alvarez praktisch nach Belieben. Bereits in der ersten Runde schickte er den Leichtgewichtschampion mehrmals mit seiner gefürchteten Linken zu Boden und vollendete sein Werk dann in der zweiten Runde mit einer spektakulären 4`er- Kombination (!), die Alvarez völlig orientierungslos auf die Bretter schickte. Der Referee hatte genug gesehen und erlöste Alvarez voller Mitleid von dieser beispiellosen Demütigung.

Conor McGregor schrieb Geschichte, indem er sich nach seinem Federgewichtstitel nun auch den Gürtel im Leichtgewicht sicherte gegen einen von Anfang bis Ende völlig überforderten Eddie Alvarez. Conor McGregor gibt derzeit den Ton  in den unteren Gewichtsklassen an und hat seinen Status als unangefochtener Superstar der MMA-Welt an diesem Abend eindrucksvoll untermauert.

Weitere Ergebnisse:

Frankie Edgar besiegt Jeremy Stephens durch UD

ufc205edgar

Khabib Nurmagomedov besiegt Michael Johnson durch Kimura in Runde 3

ufc205khabib

Tim Boetsch besiegt Rafale Natal durch TKO in Runde 1

Vicente Luque besiegt Belal Muhammad durch KO in Runde 1

Jim Miller besiegt Thiago Alves durch UD

Lizb Carmouche besiegt Katlyn Chookagian durch SD

File under: Kämpfe | Leave a comment »

Kommentare sind geschlossen.

MMA Wordpress Theme provided by Vega Designs

Oktagon – Episode 10

Oktagon – Episode 9

Oktagon – Episode 8

Video der Woche: Hatte Rogan vor mehr als 9 Jahren Recht?