Interview mit Andreas Kraniotakes

by Remo ~ Februar 22nd, 2016

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Interview mit Andreas Kraniotakes

Ein wahrer Veteran der deutschen Mixed Martial Arts-Szene hat sich freundlicherweise unseren Fragen gestellt. Aber lest selbst, was Andreas „Big Daddy“ Kraniotakes zu sagen hatte…

MMA-inside: Andreas, erstmal vielen Dank, dass du dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Zunächst einmal; wie ist Andreas Kraniotakes eigentlich zum MMA gekommen? Was war die Initialzündung für dich, MMA zu trainieren?

Andreas Kraniotakes: Vielen Dank, dass Ihr mich hier zu Wort kommen lasst. Es freut mich sehr mit dabei sein zu können. Meine Anfänge in den MMA waren so ganz anders, als die der meisten. Ich hatte meinen ersten Kampf gemacht, noch bevor ich etwas von der UFC gehört hatte. Ich wusste nur, dass es da ein Turnier geben wird, wo man „alles“ darf. Und dann habe ich mich angemeldet und bin dort hin. Mich hat, wie so viele aus meiner Generation, immer die Frage danach gequält, was wohl der beste Stil sei und wer der beste Kämpfer auf dem Planeten ist. Diese Frage führt einen unweigerlich irgendwann zu diesem Sport.

MMA-inside: Eine Frage, die wir allen Interview-Partnern stellen; was hast du gedacht, als du den ersten UFC Kampf zwischen Gerard Gordeau und Teila Tuli gesehen hast? Lass uns an deinen damaligen Gedanken teilhaben.

Andreas Kraniotakes: Im Nachhinein denke ich jedes Mal wenn ich den Kampf sehe: Das ist ein Meilenstein in der Geschichte des Kampfsports. Was ich damals genau gedacht habe kann ich leider nicht mehr sagen. Aber war sicher irgendwas wie: „GEIL!“

MMA-inside: In den knapp 23 Jahren seit dieser Veranstaltung hat sich der Sport enorm weiterentwickelt. Was muss ein MMA-Kämpfer im Jahr 2016 im Vergleich zur damaligen Zeit mitbringen?

Andreas Kraniotakes: Der Sport ist immer noch vergleichsweise jung und verändert sich quasi von Monat zu Monat. Techniken, Taktiken und Trainingsmethoden werden immer spezifischer und besser. Es ist mit Sicherheit kein Vergleich zwischen den Athleten von damals und den heutigen Kämpfern. Deshalb muss man die Leistungen der einzelnen Kämpfer immer auch im Kontext der Zeit betrachten. Ich habe noch zu einer Zeit angefangen, wo jeder irgendwie seine Stärken und Schwächen hatte. Klassische Striker gegen Grappler Kämpfe waren damals an der Tagesordnung. Und bevor der Sprawl und andere Möglichkeiten einen Takedown zu verteidigen Allgemeinwissen wurden, haben auch meistens die Bodenkämpfer die Nase vorne gehabt. Heute sind selbst die Amateure schon komplettere Kämpfer als die meisten Profis es damals waren.

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MMA-inside: Wenn man 2016 über MMA redet, kommt man an einem Namen kaum vorbei. Conor McGregor. Durch seine polarisierende Art spaltet er die Fangemeinde. Was denkst du über typische Trashtalker wie ihn, Sonnen, Bisping und Co.? Sind solche Leute Fluch oder Segen für den Sport?

Andreas Kraniotakes: Für den Sport sicherlich Segen. Denn am Ende des Tages ziehen sie mehr Aufmerksamkeit und damit auch neue Zuschauer. Für die Kämpfer bzw. die sportliche Komponente des Ganzen sind sie nicht immer gut. Die von Dir genannten Kämpfer sind allesamt zwar Trashtalker, aber sie sind dabei authentisch. Sie sprechen und verhalten sich so, weil es in ihrem Naturell liegt. Leider eifern viele andere Kämpfer ihnen nach. Sie denken, dass es der beste und schnellste Weg zum Erfolg sei seinen Gegner zu verhöhnen und ihm respektlos zu begegnen. Da ich noch eine eher traditionelle Einstellung zum Kämpfen habe, finde ich diese Entwicklung sehr schade. Für mich steht immer der gegenseitige Respekt und die Disziplin im Vordergrund.

MMA-inside: Ein weiteres aktuelles Thema sind die vergleichsweise niedrigen Einkünfte der UFC-Fighter in Relation zu den Einnahmen, die die Organisation generiert. Wie schwierig ist es tatsächlich, vom MMA zu leben, wenn man nicht McGregor heißt?

Andreas Kraniotakes: Unglaublich schwer! So schwer, dass mich andere Athleten oder auch Künstler oft entgeistert fragen, warum ich das Ganze dann überhaupt mache. Der einzige Grund diesen Sport professionell zu betreiben und ihm all seine Zeit zu widmen ist dass man ihn liebt. Rational oder wirtschaftlich ist es kaum zu rechtfertigen.

MMA-inside: Bellator scheint der Nutznießer dieser Unzufriedenheit zu sein und lockt mit höheren Kampfbörsen. Benson Henderson hat man bereits verpflichtet, Alistair Overeems Verpflichtung steht offenbar kurz bevor. Kann Bellator langfristig der UFC gefährlich werden?

Andreas Kraniotakes: Andere Organisationen sind ein wichtiger Bestandteil. Zum Leidwesen für die Kämpfer ist die UFC immer darum bemüht das Gleichgewicht möglichst zu ihren Gunsten aufrecht zu erhalten und hat deshalb in der Vergangenheit auch bereits alle Konkurrenten die eine gewisse Größe erreicht haben einfach geschluckt. Das Thema hat aber zwei Seiten. Die Größe und Quasi-Monopolstellung der UFC bedeutet auch, dass der Sport schneller und besser weltweit wachsen kann. Leider sind die Gehälter der Kämpfer eine absolute Schande im Vergleich zu anderen Sportarten mit denen ähnlich viel Geld verdient wird von Seiten der Veranstalter.

MMA-inside: Woran liegt es deiner Ansicht nach, dass es MMA in Deutschland in der öffentlichen Wahrnehmung bzw Akzeptanz noch immer relativ schwer hat und wo muss man ansetzen, um den Sport hierzulande weiter zu pushen?

Andreas Kraniotakes: In der Vergangenheit hat es immer eine Person gegeben, die das Gesicht der Sportart war. Dann ist es natürlich wichtig, dass die Deutschen in ihrem liebsten Medium – dem Fernseher – regelmäßig Zugang zu dem Sport haben. Eine Entwicklung ist auf jeden Fall zu sehen. Für meinen Geschmack geht das allerdings zu langsam.

MMA-inside: Stell dir vor, alle MMA-Kritiker in Deutschland würden dieses Interview lesen und du hättest jetzt die Chance, sie für den Sport zu begeistern. Was würdest du ihnen sagen?

Andreas Kraniotakes: Schaut Euch eine Veranstaltung mal komplett und von Anfang bis zum Ende an.

MMA-inside: Ich würde dir nun gerne ein paar Stichworte vorgeben. Könntest du diese bitte kurz und prägnant kommentieren? Was geht dir als erstes durch den Kopf, wenn du folgendes liest…

MMA-inside: Rickson Gracie

A.K.: Legende

MMA-inside: Reebok Deal  

A.K.: Abzocke

MMA-inside: Fedor  

A.K.: GOAT

MMA-inside: Pride FC 

A.K.: Entertainment pur, Geburtsort von Legenden und Spielwiese für Hobby-Chemiker

MMA-inside: Weight cutting    

A.K.: Der härteste Teil des Kämpfens. Nicht ungefährlich, aber nur sehr schwer ohne auszukommen

MMA-inside: Dana White    

A.K.: Der Papa des Sports.

MMA-inside: RDA vs McGregor   

A.K.: Ein großer Kampf unter kleinen Männern

MMA-inside: Ken Shamrock 

A.K.: Kautziger Kult Kämpfer

MMA-inside: MMA in Deutschland 

A.K.: Unser Sorgenkind

MMA-inside: Andreas, erzähl uns doch bitte, wie du darauf gekommen bist, Kinderbücher zu schreiben. Das scheint für einen professionellen MMA-Kämpfer zunächst eher ungewöhnlich.

Andreas Kraniotakes: So wie auf alles andere dass ich mache: Ich hatte einfach Lust darauf. Jeder Mensch hat bestimmte Talente und Vorlieben. Ich liebe Geschichten über alles. Und ich habe das Talent Dinge zu schreiben, die andere Menschen dann gerne lesen. Kinderbücher haben eine enorme Kraft, weil sie auf sehr naiver Ebene teilweise bedeutungsschwere Inhalte vermitteln können und durch die Bilder noch zusätzliche Stimmung erzeugen können. Mein zweites Buch steht gerade kurz vor dem Abschluss und auf das freue ich mich schon sehr.

Zum Schluss würde ich gerne noch etwas zu Kevin „The Monster“ Randleman sagen. Es ist schade, dass nach seinem Ableben so viele Menschen anfangen öffentlich zu spekulieren, ob sein früher Tod mit dem Missbrauch von Steroiden oder ähnlichem zu tun hat. Selbst wenn dem so wäre, ist es seiner Familie und seinem Freunden gegenüber nicht schön das zu dieser Zeit zu tun. Alle Taten müssen immer im Kontext der Zeit betrachtet werden und wenn es wirklich daran gelegen haben sollte, dann hat Randleman ohnehin schon den höchsten Preis dafür bezahlt. Ich persönlich erinnere mich gerne an seine immer sehr unterhaltsamen Kämpfe und er wird für mich als eine Legende die MMA-Geschichtsbücher eingehen.

Diesen bewegenden Schlussworten möchten wir uns gerne anschliessen und bedanken uns bei Andreas für das offene, interessante Interview. Nebenbei sei bemerkt, dass „Big Daddy“ auf unsere Interview-Anfrage umgehend sowie überaus freundlich und höflich reagiert hat.

MMA-inside sagt danke und wünscht Andreas Kraniotakes alles gute für seine weiteren Pläne.

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