Rickson Gracie nur ein Aufschneider?

by Remo ~ Mai 15th, 2015

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Rickson Gracie nur ein Aufschneider?

Heute wollen wir uns mit einem Mann beschäftigen, der so kontrovers diskutiert wird wie kaum ein anderer. Rickson Gracie ist zweifellos eine Legende im BJJ und einer der wenigen 8th degree black belts auf der Welt. So weit, so gut. Aber wie stehts mit seinem Status im MMA? Wird nach den größten Namen in der Welt der Mixed Martial Arts gefragt, fällt auch immer wieder der Name Rickson Gracie. Doch was genau hat Rickson im MMA eigentlich unterm Strich geleistet? Warum wird er so oft als der unbesiegbare MMA-Messias gefeiert? Was genau rechtfertigt, seinen Namen in der Riege der großen des Sports zu nennen?

Faktisch hat er nämlich lediglich 11 Kämpfe im MMA bestritten, die er zwar auch alle gewann, doch für eine „Legende“ sind 11 Siege dennoch etwas mager. Gut, nun kann man sagen, wenn ich die Besten der Besten schlage, brauche ich keine 30 Kämpfe, um zu beweisen, daß ich besser bin als der Rest. Aber wen hat er denn eigentlich besiegt?

Da hätten wir zuerst 2 Siege gegen Rei Zulu. In Brasilien ein bekannter Fighter, keine Frage, aber mit einer eigenen MMA-Bilanz von 2 Siegen bei 8 Niederlagen. Berechtigen also 2 Siege gegen eine Rei Zulu eine Erwähnung in den Bestenlisten des Sports? Eher nicht. Und was ist mit seinen anderen Gegnern? Yoshinori Nishi, Dave Levicki, Bud Smith, Yoshihisa Yamamoto oder Koichiro Kimura? Schonmal gehört? Nein? Zu Recht! Und was ist der Sieg gegen einen 15 kg leichteren Yuki Nakai wohl wert? Nakai hat in seinen Kämpfen zuvor am gleichen Abend so schwere Augenverletzungen davon getragen, daß er im letzten Kampf gegen Gracie mit zwei zugeschwollenen Augen antrat und auf einem Auge seit diesem Abend blind ist. Und darauf soll jemand seine eigene Legende im MMA aufbauen?!

Danach folgten 2 Siege gegen Nobuhiko Takada, den immer wieder der Wind abgesprochener Kämpfe umwehte. Schließlich besiegte er noch Masakatsu Funaki, der zu dem Zeitpunkt jedoch bereits von schweren Knieverletzungen gebeutelt war. Das war Rickson aber offenbar noch immer zu unsicher und so erzwang er mit einer angedrohten Kampfabsage eigens für ihn zurechtgeschneiderte Regeln. Nun waren Funaki plötzlich Ellbogen und Kniestöße zu Ricksons Kopf verboten und so gewann Rickson Gracie gegen einen halb-invaliden Funaki, der durch Ricksons erzwungene Regeländerungen auch noch mit stumpfen Waffen kämpfen musste.

Rickson Gracie hat mehr als einmal Herausforderungen von beispielsweise Bas Rutten oder Kazushi Sakuraba ausgeschlagen und ist somit den Beweis seiner Wettbewerbsfähigkeit auf höchstem MMA-Level stets schuldig geblieben. Abfällige Äußerungen Gracies über Fedor Emelianenko („Seine technischen Fähigkeiten sind dürftig“), Minotauro Nogueira („Er hat keine guard“) oder Shane Carwin („Er wirkt stark wie ein Bulle, ist aber schwach wie ein Papiertiger“) taten ihr übriges, zogen den Zorn der MMA-community nach sich und veranlassten Wanderlei Silva zu der Aussage:“Rickson is living in a fantasy world“.

Besondere Erwähnung sollte vielleicht noch der 400-0 Rekord finden, mit dem er so gerne kokettiert. Stellt man fest, daß er auch Trainings-Kämpfe in diesen Rekord einrechnet, bekommt der 400-0 Mythos schon fast einen komödiantischen Charakter. Wenn ein Fußballer auch die Tore, die er im Training schießt, in seine Statistiken einfließen lassen wöllte, würde man nur voller Unverständniss den Kopf schütteln. Selbst Ricksons Vater Helio Gracie sagte einst, daß er selbst Millionen Siege in seiner Statistik stehen hätte, würde er, wie Rickson, seine Trainingsmatches mit einbeziehen.

Wie ist Rickson Gracie also einzuordnen? Nun, im Brazilian Jiu Jitsu ist er ohne wenn und aber eine Legende. Vielleicht sogar der beste BJJ`ler, den es je gegeben hat. Im MMA allerdings ist er nicht mehr als eine Randerscheinung. Einer von vielen. Rickson Gracie sollte dankbar sein. Dankbar dafür, daß er nie gegen einen kompletten MMA-fighter von Weltklasseformat antreten musste, denn auf diese Weise konnte er seinen eigenen Mythos am Leben erhalten. Mittlerweile sorgt dieser Unbesiegbarkeitsnimbus unter MMA-Fans sogar für einen running gag. Sobald irgendeine Frage nach einem hypothetischen Kampf gestellt wird, lautet die Antwort, unabhängig von den beteiligten Kämpfern stets: „Rickson by Rear Naked Choke!“

So legendär er im BJJ auch ist, so bedeutungslos ist er im MMA. Einer von vielen, die in der Welt der Mixed Martial Arts rein gar nichts hinterlassen haben. Fedor, Cain, Shane Carwin, Big Nog und alle anderen, die er so selbstgefällig kritisiert hat, hätten ihn im Käfig, im Ring oder sonstwo in der Luft zerrissen und sind ihm in Sachen Legacy Lichtjahre vorraus.

Ist Rickson nun also Legende oder Aufschneider?

Entscheidet selbst!

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