Ken Shamrock (inkl. Video)

by Remo ~ April 4th, 2015

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Ken Shamrock (inkl. Video)

Viele MMA-fighter kommen und gehen.

Manche hinterlassen etwas mehr in unserer Erinnerung, andere weniger.
Einige gewinnen Titel, die meisten jedoch nicht und viele geraten im Laufe der Zeit in Vergessenheit…


 

Unter dem Titel „MMA-Legenden“ befassen wir uns mit denen, die deutlich ihre Fußabdrücke in der MMA Welt hinterlassen haben. Fighter, an die man sich noch lange Zeit erinnern wird.

Fighter, die einen ganz besonderen Einfluss auf die Entwicklung des Sports hatten und die zu Recht als „Legenden des Sports“ angesehen werden.
 
Auf wen träfen all diese Attribute mehr zu als auf den Mann, mit dem ich mich heute beschäftigen möchte?
 

Ken Shamrock

Frühe Jahre:

 
Als Kenneth Wayne Kilpatrick am 11 Februar 1964 im Örtchen Warner Robbins im US-Bundesstaat Georgia das Licht der welt erblickte, spielte sich „Kampfsport“ in der breiten Öffentlichkeit fast auschliesslich in einem Boxring ab und der Schwergewichts-champ im Boxen galt gemeinhin als der beste „Kämpfer“ der Welt. Kens leiblicher Vater verließ die Familie schon früh und als seine Mutter erneut heiratete zog sie mit ihrem neuen Mann und ihren Söhnen nach Kalifornien. Allerdings fand Ken kaum Anschluss und sah sich aufgrund seines Akzents schon bald Auseinandersetzungen mit anderen Kindern gegenüber. Seine ersten Berührungspunkte mit Sport waren zunächst Versuche, sich in Baseball und American Football zu verdingen. Allerdings geriet er auch zusehends auf die schiefe Bahn und kam mit dem Gesetz in Konflikt, was letztlich dazu führte, dass er von seinem Stiefvater im Alter von 13 Jahren vor die Tür gesetzt wurde und fortan auf sich selbst gestellt war.
 

Jugend:

 
Nach einer Odyssee durch mehrere Waisenhäuser bzw Pflegefamilien nahm sich der sozial sehr engagierte Bob Shamrock seiner an und adoptierte Ken, weshalb sich sein Name in „Shamrock“ änderte. Bob Shamrock hatte einen guten Einfluss auf Ken und lenkte sein Leben wieder in die richtigen Bahnen. Ab diesem Zeitpunkt bestimmte der Sport sein Leben. Er qualifizierte sich für die Meisterschaften im Ringen seines Bundesstaates. Jedoch musste er seine Teilname aufgrund einer Verletzung absagen. Darüber hinaus bekam er ein Angebot für ein Probetraining beim NFL team San Diego Chargers, was er jedoch ausschlug um sich auf eine Karriere im Professional wrestling zu konzentrieren. Sein wrestling-Debut gab er im Jahr 1989 für south atlantic pro wrestling.
 
MMA Karriere:
 
Pancrase:
 
Seinen ersten MMA Kampf bestritt er in der japanischen promotion fujiwara gumi am 4 Oktober 1992 im Tokyo Dome. Angesetzt war ein Kampf zwischen“Wayne Shamrock“ (wie er sich jetzt nannte) und dem kickboxer Don Nayaka Nielsen, den er in nicht mal einer Minute mit einem armlock besiegte.
Der Erfolg dieses Kampfes veranlasste die japanischen wrestling-stars Masakatsu Funaki und Minoru Suzuki dazu, eine Organisation zu gründen, die ausschliesslich solche Kämpfe austrug und sich somit vom kommerziellen und auf show ausgelegten pro wrestling abhob.
Eine MMA Organisation namens „Pancrase“ war geboren, die noch spätere Stars wie Bas Rutten, Kens Stiefbruder Frank Shamrock, Maurice Smith, Ricardo Almeida, Guy Mezger und andere hervorbringen sollte.
Das erste große Pancrase-Turnier mit 16 Teilnehmern fand statt und im Turnierverlauf besiegte er den künftigen top contender Maurice Smith und wurde schliesslich mit einem Sieg gegen Manabu Yamada zum ersten King of Pancrase.
 
Rivalität mit Bas Rutten:
 
Kurz vor diesem ersten großen Titel traf er in einem Kampf am 26.7.1994 auf einen aufstrebenden Star am Pancrase-Horizont. Bas Rutten. In diesem ersten Aufeinandertreffen der beiden fand der steile Aufstieg Ruttens als kommender Star der Organisation einen herben Dämpfer, als er durch den sehr viel erfahreneren Shamrock via rear naked choke zur Aufgabe gezwungen wurde.
 
 
Er machte eine Aktion, von der sie ihm im Vorfeld sagten, er solle die gegen mich keinesfalls machen. Ich nutzte es aus und besiegte ihn.“
Zitat Ken Shamrock
 
 
 
Das rematch fand am 10 März 1995 in Yokohama statt.
 
Ich wusste, dieses mal wird es sehr viel schwieriger, weil sich Bas schnell verbesserte.“
Ken Shamrock
 
 
Die Organisatoren wollten Rutten zum neuen Aushängeschild aufbauen und trainerten ihn speziell, um Shamrock zu besiegen. Als Ken davon hörte, war er naturgemäß etwas erzürnt, was dazu führte, dass er besonders motiviert in den Kampf ging.
Letztendlich besiegte er Bas abermals. Dieses mal durch kneebar. Wieder blieb also die erhoffte Wachablösung an der Pancrase-Spitze aus. Im Frühjahr überwarf sich Shamrock mit den Organisatoren und verließ Pancrase um fortan in der UFC zu kämpfen.
 
UFC:
 
Am Anfang seiner Pancrase-Karriere flog Ken noch einmal in die USA um an dem seinerzeit innovativem wie kontroversem ersten UFC Turnier teilzunehmen. Die Veranstalter warben mit so martialischen slogans wie „there are no rules!“.
Tatsächlich gab es natürlich dennoch einige Regeln.
Die Liste der Teilnehmer bestand hauptsächlich aus Boxern, Kickboxern und Karatekas.
Also lag der Fokus der Kämpfer auf dem Kampf im Stand.
Die einzigen beiden, die um die Effektivität von submissions wussten, waren ein gewisser Royce Gracie und eben Ken Shamrock.
Erster Gegner Shamrocks war der gefürchtete Kickboxer Patrick Smith, der seinerzeit zu den besten Kickboxern der Welt gehörte. Ken verlagerte den Kampf schnell auf den Boden und brachte den am Boden unerfahrenen Smith nach 2 Minuten mit einem heelhook zur Aufgabe. Im Semifinale traf Ken auf einen bis dahin unbekannten BJJ-black belt namens Royce Gracie. Shamrock ging als hoher Favorit in den Kampf. Nicht zuletzt wegen seines brachialen körperlichen Vorteils. Gracie war der mit Abstand leichteste Teilnehmer und niemand traute ihm einen Sieg gegen den physisch überlegenen Shamrock zu. Zu aller Erstaunen jedoch führte Gracie der ganzen MMA Welt die Effektivität des brazilian Jiu Jitsu vor Augen und zwang Ken relativ problemlos zur Aufgabe durch rear naked choke.
 
„Ich hatte keine Ahnung, wer Royce Gracie war. Ich sah ihn in seinem Gi und dachte, er wäre wieder nur irgend so ein Karate-Typ ohne Bodenkampf.“
Ken Shamrock
 
 
Nachdem er wieder einige Kämpfe für Pancrase bestritt, kehrte er für UFC 3 in die Staaten zurück. Er drang bis ins Finale vor, für das sich mittlerweile auch wieder mal Royce Gracie qualifiziert hatte, stieg allerdings aus dem Turnier aus, als er mitbekam, dass Gracie wegen einer Verletzung nicht am Finale teilnehmen konnte. Am 5 April 1995 bekam Shamrock endlich sein heiss ersehntes rematch gegen Gracie.
 
 Die UFC setzte ein Zeitlimit von 30 Minuten an, wovon beide offenkundig nicht begeistert waren, und nachdem beide Kontrahenten die vollen 30 Minuten hinter sich hatten und sogar noch 5 Minuten overtime drangehängt wurden, beschloss man, den Kampf mit unentschieden zu werten.
Gracie verliess die UFC für 11 Jahre und so blieb ein dritter Kampf leider aus.
 
3 Monate später traf Shamrock auf UFC 5 Champion Dan Severn um den „superfight Champion“ auszufechten. Shamrock besiegte Severn via guillotine choke nach etwas mehr als 2 Minuten. Nach einem remis gegen Oleg Taktarov bei UFC 7 und einem Sieg gegen Kimo Leopoldo bei UFC 8 verlor er diesen Titel in einem rematch gegen Dan Severn bei UFC 9 durch eine umstrittene split decision. Nach einem Sieg gegen Brian Johnston verliess Shamrock die UFC und wechselte als Wrestler für 4 Jahre zur WWE.
Nach einer relativ erfolgreichen Zeit bei der WWE, während der man seine MMA Karriere zu Vermarktungszwecken aufgriff und ihn als „worlds most dangerous man“ verkaufte, kehrte er nach Ablauf seines Vertrages der WWE wieder den Rücken und widmete sich erneut dem MMA.
 
Nach einem kurzen Intermezzo in der japanischen Organisation Pride FC kehrte er am 22 November 2002 zur UFC zurück und traf dort auf Tito Ortiz.
 
Fehde mit Tito Ortiz:
 
Was sich zu der vielleicht größten Fehde der MMA Geschichte entwickelte, hatte seinen Anfang mit folgender Begebenheit: Am 8 Januar 1999 schlug der junge, aufstrebende Tito Ortiz Shamrocks Protege Jerry Bohlander bei UFC 18 und feierte noch im Oktagon seinen Sieg etwas überschwänglich, indem er im Stile eines Revolverhelden 2 imaginäre Pistolen zog und damit in Richtung Bohlanders Ecke „schoss“, in der auch Ken Shamrock als Bohlanders headcoach stand und obendrein ein t-shirt mit der Aufschrift „i just f**ked your ass“ anzog.
Fortsetzung fand die Aktion etwa 2 Monate später bei UFC 19, als erneut ein Schützling Shamrocks auf Tito Ortiz traf. Dieses mal war es Guy Mezger, den Tito Ortiz durch TKO besiegte und wieder streifte er sich noch im Oktagon ein t-shirt mit einer provokanten Aufschrift über. Shamrock fand den Aufdruck „Gay Mezger is my bitch“ offenbar weniger lustig und lieferte sich eine heftige verbale Auseinandersetzung mit Ortiz.
 
UFC Matchmaker Joe Silva :
Ken ist backstage regelrecht ausgeflippt. Er war ausser sich vor Wut. Tische gingen zu Bruch. Sie haben Tito in einen separaten Raum geführt. Wer weiss, was sonst passiert wäre.“
 
Am 22. November, knapp 4 Jahre nach dem Vorfall bei UFC 19, kam es zum heiss ersehnten Kampf der beiden. Shamrock stieg zum ersten mal seit 6 Jahren wieder für die UFC in ein Oktagon. Aber die Zeiten hatten sich geändert. Der Sport entwickelte sich rasant und waren es zu Kens Karrierebeginn noch überwiegend eindimensionale (teils unaustrainierte) standupfighter ohne Bodenkampferfahrung, mit denen er sich duellierte, regierte nun eine neue Generation von Kämpfern die UFC.
Diese neue Generation bestand aus top-Athleten, die sowohl das standup fighting beherschten als auch für den Kampf am Boden durch training in BJJ, wrestling, Sambo, Judo und dergleichen bestens gerüstet waren.
Diese neuen Athleten waren wie die Zehnkämpfer des Kampfsports. Diese Tatsache, gepaart mit Kens langer Ringabstinenz, seiner kaputten Knie und nicht zuletzt sein immenser weightcut auf 201 lbs führten dazu, dass er von Tito relativ klar dominiert wurde und seine Ecke vor Beginn der 4. Runde das Handtuch warf.
 
Ken war ein verdammt guter Kämpfer. Ich würde nicht sagen, dass ich von ihm eingeschüchtert war, aber vielleicht ein wenig besorgt.“
Tito Ortiz
 
 
Nach einem KO Sieg gegen Kimo Leopoldo bei UFC 48 und Niederlagen gegen Rich Franklin und Kazushi Sakuraba kam es am 8. Juli 2006 erneut zum Duell mit Ortiz.
Im Vorfeld waren Ken und Tito gegnerische coaches der The ultimate fighter Staffel und gerieten währenddessen immer wieder aneinander. Das rematch endete allerdings etwas enttäuschend und referee Herb Dean stoppte den Kampf bereits nach 1:18 in der ersten Runde, nachdem Titos ground and pound offenbar zuviel für Ken war.
 
In seinem letzten Kampf für die UFC wurde ihm noch einmal eindrucksvoll deutlich gemacht, dass er mit seinen nunmehr 42 Jahren und gezeichnet von allerlei Verletzungen mit der neuen Generation MMA fighter in der Weltspitze einfach nicht mehr mithalten kann.
Diese bittere Erkenntniss wurde noch einmal im dritten Aufeinandertreffen der beiden ein paar Monate später bestätigt, als Shamrock abermals chancenlos gegen Ortiz war.
 
Es folgten noch ein paar Kämpfe in kleineren promotions, wo er seinen letzten Kampf am 25. November 2010 gegen Mike Bourke in Südafrika verlor.
 
legacy:
 
Was bleibt also unterm Strich stehen, wenn man von Ken Shamrock spricht? Shamrock war zweifellos einer der Pioniere des Sports. Er war einer der ersten, die Bodenkampf trainierten und ihn erfolgreich anwendeten.
Ken Shamrock war von beeindruckender Physis.
 Als der Sport noch in seinen Kinderschuhen steckte, hat er ihm seinen Stempel aufgedrückt.
Er war mitverantwortlich für die rasante Entwicklung dieses Sports, die er in späteren Jahren selbst schmerzhaft zu spüren bekommen hat. Seine Verdienste um den Sport sind unbestritten und wurden schließlich auch seitens der UFC gewürdigt, als er am 21.November 2003 neben Royce Gracie als erster in die UFC hall of fame aufgenommen wurde.
 
Weil er den Sport geprägt hat.
 
Weil er ist, was er ist. Eine wahre MMA Legende.

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